Dortmund von unten: Ein anderer Blick auf unsere Stadt
Teambuilding darf laut, lustig und bunt sein – aber wie verbindend der gemeinsame Blick über den Tellerrand ist und was das Verlassen der Komfortzone in uns bewegt, hat die soziale Stadtführung von bodo e.V. gezeigt.
Eine Wohnung bedeutet für uns mehr als nur vier Wände. Sie ist ein Zuhause, ein Ort für die Familie. Doch was passiert, wenn all das wegbricht? Dann verlieren Menschen nicht nur ihren Wohnraum, sondern auch Sicherheit — und oft die Möglichkeit, das eigene Leben zu ordnen.
Wie schnell all das verloren gehen kann und wie schwer der Weg zurück ist, hat uns Christian bei der sozialen Stadtführung von bodo e.V. deutlich gemacht.
Viele Jahre verbrachte Christian auf der Straße und gibt heute Einblicke in eine Realität, die für viele kaum sichtbar ist. Erst durch seine Arbeit als Zeitungsverkäufer für bodo e.V. fand er einen Weg zurück. „Ich musste das Sprechen neu lernen. Auf der Straße verlernst du die normale Sprache. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich heute Stadtführungen mache, hätte ich ihn für verrückt erklärt.“
Christians Geschichte ist tragisch. „Ohne Meldeadresse hast du keine Chance auf Unterstützung vom Staat und durch meine Suchtproblematik wurde ich kriminell. Mit verschiedenen Maßnahmen habe ich es aus der Drogensucht und Obdachlosigkeit rausgeschafft.“ Heute ist er mit der Szene und vielen Orten in Dortmund eng verwurzelt.
Der Rundgang war ehrlich, stellenweise erschreckend und am Ende auch hoffnungsvoll. Denn neben schwierigen Erfahrungen wurde auch sichtbar, was Unterstützung bewirken kann: zuhören, hinschauen, Chancen eröffnen.
Die Führung endet traditionell vor dem Bücherladen von bodo e.V. Dort steht groß: „Schafft Chancen“. Nach diesem Einblick bekommt dieser Satz eine besondere Bedeutung. Er zeigt, dass Hilfe nicht abstrakt bleiben muss.
Manchmal beginnt sie mit Aufmerksamkeit. Und manchmal mit der einfachen Frage, wenn uns das nächste Mal jemand anspricht: „Interesse an der neuen bodo?“
Jedes Jahr nehmen wir an der Führung „Dortmund von unten“ teil. Sie führt an Orte, an denen viele Menschen im Alltag vorbeilaufen – ohne zu wissen, welche Geschichten sich dort verbergen. Nach der Führung bleiben diese Orte nicht mehr anonym. Sie verbinden sich mit Erfahrungen, Fragen und Eindrücken, die nachwirken.
Mit dem Verein bodo e.V. sind wir eng verbunden. Die Geschäftsführerin Tanja Walter ist Teil unserer Dr. Ausbüttel NPO Lernwerkstatt, wir schalten Printanzeigen, sammeln Kleiderspenden. Außerdem finanzieren wir einen von bodo-Verkäufern gestalteten Kalender, den sie verkaufen können, und unterstützen den Verein auf vielen weiteren Wegen. Denn wir haben in Dortmund ein gemeinsames Ziel: Chancen schaffen!



